Einspeisen oder selbst verbrauchen — das Verhältnis entscheidet alles
Einspeisen oder selbst verbrauchen — die Frage ist entschieden, bevor Sie sie stellen.
Sechs Rappen für die eingespeiste Kilowattstunde, rund achtundzwanzig für die bezogene. Dieses Verhältnis bestimmt Ihre ganze Rechnung. Hier steht, was seit 2026 gilt und was Sie daran ändern können.
Die Rückliefervergütung folgt neu dem Marktpreis
Bis Ende 2025 richtete sich die Vergütung nach den vermiedenen Netzkosten des jeweiligen Werks. Seit dem 1. Januar 2026 folgt sie dem quartalsweise gemittelten Referenz-Marktpreis. Nach unten ist sie durch eine gesetzliche Mindestvergütung abgesichert.
| Anlagenklasse | Was gilt | Mindestvergütung |
|---|---|---|
| AnlagenklasseUnter 30 kW | Was giltMit oder ohne Eigenverbrauch. Der Normalfall am Einfamilienhaus. | Mindestvergütung6.0 Rp./kWh |
| Anlagenklasse30 bis 150 kW mit Eigenverbrauch | Was giltFormel: 180 geteilt durch die Anlagenleistung in Kilowatt. | Mindestvergütung6.0 bis 1.2 Rp. |
| AnlagenklasseAb 30 kW ohne Eigenverbrauch | Was giltVolleinspeisung. | Mindestvergütung6.2 Rp./kWh |
Der Referenz-Marktpreis schwankt erheblich. Für Photovoltaik betrug er im ersten Quartal 2026 10,27 Rappen, im zweiten nur noch 3,90. Der Grund ist einfach: Im Sommer speisen alle gleichzeitig ein. Genau dann, wenn Ihr Dach am meisten liefert, ist der Strom am wenigsten wert. Deshalb greift im Sommer fast immer die Mindestvergütung.
Quellen: ElCom, FAQ zum Mantelerlass, Stand 16.06.2026. Referenz-Marktpreise nach Art. 15 EnFV, publiziert vom BFE am 14.07.2026 (Q1 2026: 102,66 CHF/MWh; Q2 2026: 38,96 CHF/MWh). Ab dem 1. Januar 2027 wird auf stündliche Spotmarktpreise umgestellt, mit einjähriger Übergangsfrist.
Was die Werke in unseren Kantonen zahlen
| Werk | Kanton | Was vergütet wird | Betrag in Rappen je kWh |
|---|---|---|---|
| WerkAEW | KantonAargau | Was vergütet wirdFixpreisprodukt für Anlagen 2 bis 30 kW, Herkunftsnachweise eingeschlossen. | Betrag in Rappen je kWh8.20 |
| WerkBKW | KantonBern | Was vergütet wirdAnlagen unter 30 kW, erstes Quartal 2026. | Betrag in Rappen je kWh10.27 |
| WerkBKW | KantonBern | Was vergütet wirdDieselben Anlagen, zweites Quartal 2026. Mindestvergütung greift. | Betrag in Rappen je kWh6.00 |
| WerkEBL | KantonBasel-Landschaft | Was vergütet wirdAnlagen 0 bis 30 kW, ab 01.01.2026. | Betrag in Rappen je kWh6.00 |
Betrag in Rappen je kWh im Vergleich
Je länger der Balken, desto grösser der Wert in der Spalte «Betrag in Rappen je kWh» der Tabelle darüber. Die Balkenlänge zeigt das Verhältnis der Zeilen zueinander, nicht einen absoluten Massstab.
Die zwei BKW-Zeilen zeigen das Wesentliche: Dieselbe Anlage, dasselbe Jahr, ein Quartal Unterschied — und die Vergütung fällt um vierzig Prozent. Wer seine Anlage mit dem Winterwert durchrechnet, rechnet sich reich.
AEW-Wert exklusive Mehrwertsteuer, Ausgabe Oktober 2025 für das Jahr 2026. BKW-Preisblatt Rückliefervergütung 2026. EBL exklusive Mehrwertsteuer, ab 01.01.2026. Für IWB (Basel-Stadt), EBM (Basel-Landschaft) und Regio Energie Solothurn haben wir keine Tarife 2026 belegen können — fragen Sie dort direkt nach. Zum Vergleich: 2024 lag die Spanne über alle Schweizer Werke laut Repower zwischen 5 und 17 Rappen.
Der Eigenverbrauchsanteil ist die einzige Stellschraube
Den Marktpreis beeinflussen Sie nicht. Den Tarif Ihrer Gemeinde auch nicht. Was Sie beeinflussen, ist der Anteil, der gar nicht erst ins Netz geht. Der Bund beziffert ihn für ein Einfamilienhaus ohne Speicher auf 15 bis 30 Prozent. Mit einer Wärmepumpe steigt er auf 30 bis 40, mit Wärmepumpe, Heizstab und Speicher auf über 70.
Interessant ist die Abhängigkeit von der Anlagengrösse: Bei 2 Kilowatt liegt der zeitgleiche Verbrauch bei 35 bis 50 Prozent, bei 5 Kilowatt nur noch bei 20 bis 40. Eine grössere Anlage hat prozentual weniger Eigenverbrauch, in Kilowattstunden aber mehr. Das ist der Grund, warum die Rechnung von EnergieSchweiz die grössere Anlage trotzdem vorne sieht.
| Modell | Seit wann | Was es bringt |
|---|---|---|
| ModellEigenverbrauch | Seit wannseit 2014 | Was es bringtDer eigene Strom im eigenen Haus. Kostet nichts ausser Aufmerksamkeit. |
| ModellZEV | Seit wannseit 2018 | Was es bringtZusammenschluss hinter einem Netzanschlusspunkt. Produktionsleistung mindestens 10 Prozent der Anschlussleistung. |
| ModellvZEV | Seit wannseit Anfang 2025 | Was es bringtWie ZEV, aber mit mehreren Zählern virtuell verrechnet, im grösseren Umkreis. |
| ModellLEG | Seit wannseit 01.01.2026 | Was es bringtLokale Elektrizitätsgemeinschaft über das öffentliche Netz, innerhalb einer Gemeinde. 40 Prozent Netzrabatt auf einer Netzebene, 20 Prozent über mehrere. |
Die lokale Elektrizitätsgemeinschaft ist die grosse Neuerung von 2026. Alle Teilnehmenden müssen auf derselben Netzebene angeschlossen sein, alle brauchen einen Smart Meter, und die Produktionsleistung muss mindestens fünf Prozent der Anschlussleistung erreichen. Ob das für Ihr Quartier praktisch geht, sagt Ihnen Ihr Werk — die Modelle sind neu, und die Erfahrung fehlt noch.
Vier Punkte zu Einspeisen und Eigenverbrauch
01Soll ich die Anlage kleiner bauen, um mehr selbst zu verbrauchen?
Nein. Der prozentuale Eigenverbrauch steigt zwar, die absolute Menge sinkt aber. EnergieSchweiz rechnet zwei Anlagen durch: Die grössere hat den kleineren Eigenverbrauchsanteil und amortisiert sich trotzdem zwei Jahre früher, weil sie je Kilowatt günstiger ist.
Gerüst, Planung, Anschlussgesuch und Anfahrt fallen einmal an. Das letzte Modul ist immer das billigste.
02Darf das Werk meine Einspeisung drosseln?
Ja, aber begrenzt. Der Netzbetreiber darf höchstens drei Prozent der jährlich erzeugten Energie am Anschlusspunkt abregeln. Eine Begrenzung auf 70 Prozent der Leistung führt laut Branchenleitfaden zu weniger als drei Prozent Ertragsverlust — weil die Spitzenleistung nur an wenigen Stunden im Jahr erreicht wird.
Vergütet wird diese Flexibilität nicht. Die Kosten einer allfälligen Nachrüstung dürfen laut ElCom aber nicht Ihnen angelastet werden.
03Lohnt sich eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft?
Rechnerisch ja: 40 Prozent Rabatt auf das Netzentgelt, wenn die Teilnehmenden im selben Trafokreis liegen, 20 Prozent über mehrere Netzebenen. Swissolar fordert die Ausschöpfung des gesetzlichen Maximums von 60 Prozent.
Praktisch braucht es Nachbarn, die mitmachen, Smart Meter bei allen und ein Werk, das die Abrechnung anbietet. Das Modell ist seit Anfang 2026 in Kraft — Erfahrungswerte gibt es noch kaum.
04Warum ist die Vergütung im Sommer am tiefsten?
Weil dann alle einspeisen. Der Referenz-Marktpreis lag im zweiten Quartal 2026 bei 3,90 Rappen, im ersten bei 10,27. Repower beschreibt die Bandbreite so: im zweiten und dritten Quartal meist unter 4 Rappen, im vierten und ersten zwischen 6 und 10.
Daraus folgt die ganze Strategie dieses Ratgebers: Der Sommerüberschuss gehört ins Haus — ins Warmwasser, in die Ladestation, in die Kühlung. Draussen ist er am wenigsten wert.
Weiterlesen im Ratgeber
Was Ihr Strom drinnen wert ist, sagt Ihnen Ihr Tarif.
Postleitzahl eingeben, sieben Fragen beantworten, bis zu drei vergleichbare Angebote erhalten — ohne Kosten, ohne Telefonwerbung.
Datenstand 31. August 2026. Quellen: ElCom — FAQ ES2050 ab Mantelerlass, Stand 16.06.2026 · BFE — Referenz-Marktpreise nach Art. 15 EnFV, 14.07.2026 · Swissolar — 2026: Was gilt neu für Photovoltaikanlagen, 09.01.2026 · EnergieSchweiz/BFE — Solarstrom-Eigenverbrauch optimieren · AEW — Rücklieferung Fixpreis 2026 · BKW — Preisblatt Rückliefervergütung 2026 · EBL — Rückspeisevergütung · BKW — lokale Elektrizitätsgemeinschaft, alle abgerufen am 31.08.2026. Wir prüfen diese Seite quartalsweise nach.