Wallbox und Elektroauto — laden mit eigenem Strom
Die Wallbox ist der grösste Verbraucher im Haus — und der am schwersten zu treffende.
Kein anderes Gerät verschiebt so viele Kilowattstunden. Nur steht das Auto meistens genau dann in der Garage, wenn das Dach nichts mehr liefert. Hier steht, was das in Franken ausmacht, wo die Ladestation hinkommt und was sie kostet.
Warum die Ladestation alles andere in den Schatten stellt
Ein Personenwagen in der Schweiz fährt rund zehntausend Kilometer im Jahr. Ein neu zugelassenes Elektroauto braucht dafür 18,6 Kilowattstunden je hundert Kilometer — das ist der Wert, den das Bundesamt für Statistik für die Neuzulassungen ausweist. Beides zusammen ergibt rund 1900 Kilowattstunden im Jahr.
Zum Vergleich: Ein Raumklimagerät kommt in einer ganzen Sommersaison auf etwa hundert Kilowattstunden. Das Auto braucht das Neunzehnfache. Wenn Sie den Strom vom eigenen Dach im Haus behalten wollen, statt ihn für sechs Rappen abzugeben, dann ist die Ladestation der grösste einzelne Hebel, den ein normaler Haushalt hat — grösser als Warmwasser, grösser als jedes Haushaltgerät.
Unsere eigene Rechnung: 10'000 km mal 18,6 kWh je 100 km ergibt 1860 kWh, gerundet 1900. Die Fahrleistung ist ebenfalls unsere Rechnung aus zwei BFS-Zahlen — 48,0 Milliarden Fahrzeugkilometer inländischer Personenwagen im Jahr 2022, geteilt durch rund 4,6 Millionen immatrikulierte Personenwagen. Der Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2021 nennt 10'256 Kilometer, was dazu passt. Wie viel Sie tatsächlich fahren, wissen nur Sie — rechnen Sie mit Ihrer eigenen Zahl weiter.
Das Auto steht dann in der Garage, wenn das Dach schläft
EnergieSchweiz hat im Sommer 2025 zweitausend Fahrerinnen und Fahrer befragt. Über achtzig Prozent laden zumindest gelegentlich zuhause, nur ein Viertel zumindest gelegentlich am Arbeitsplatz.
Zuhause laden ist also der Normalfall. Nur heisst zuhause für die meisten: abends und nachts. Genau dann liefert die Anlage nichts. Der grösste Verbraucher im Haus und der grösste Erzeuger auf dem Dach laufen zeitlich aneinander vorbei — das ist der ehrliche Kern dieses Beitrags, und kein Verkäufer wird ihn Ihnen von sich aus nennen.
Deshalb ist die richtige Frage nicht «wie viel spare ich», sondern «welchen Anteil bekomme ich in die Sonnenstunden». Die folgende Rechnung zeigt vier Fälle. Jede Kilowattstunde, die vom eigenen Dach ins Auto geht statt ins Netz, ist rund neunzehn Rappen wert — die Differenz zwischen dem, was Sie für Strom bezahlen, und dem, was Sie für Einspeisung bekommen.
| Fall | Wann das Auto lädt | Anteil vom Dach | Betrag in Franken |
|---|---|---|---|
| FallNur nachts | Wann das Auto lädtHeimkehr am Abend, Ladung über Nacht, kein Eingriff. | Anteil vom Dach0 Prozent | Betrag in Franken0 |
| FallWochenende und Homeoffice | Wann das Auto lädtAn zwei, drei Tagen der Woche steht das Auto tagsüber da. | Anteil vom Dach25 Prozent | Betrag in Franken90 |
| FallBewusst gesteuert | Wann das Auto lädtÜberschusssteuerung, Ladung wird auf sonnige Stunden gelegt. | Anteil vom Dach50 Prozent | Betrag in Franken175 |
| FallDer Idealfall | Wann das Auto lädtZweitwagen, der fast immer zuhause steht. Selten. | Anteil vom Dach100 Prozent | Betrag in Franken355 |
Betrag in Franken im Vergleich
Je länger der Balken, desto grösser der Wert in der Spalte «Betrag in Franken» der Tabelle darüber. Die Balkenlänge zeigt das Verhältnis der Zeilen zueinander, nicht einen absoluten Massstab.
Unsere eigene Rechnung, gerundet: 1860 Kilowattstunden mal 19 Rappen Differenz, mal dem jeweiligen Anteil. Angenommen sind rund 25 Rappen Bezugspreis und rund 6 Rappen Mindestvergütung; Ihr tatsächlicher Bezugspreis steht auf der Seite Ihrer Gemeinde. Welcher Anteil bei Ihnen erreichbar ist, können wir nicht sagen — das hängt allein daran, wann Sie fahren.
Die CKW rechnet dieselbe Sache anders herum und kommt auf dieselbe Grössenordnung: rund 4.50 Franken je hundert Kilometer mit Netzstrom zu etwa 29 Rappen, rund 1.30 Franken je hundert Kilometer mit Solarstrom.
Wo die Wallbox hinkommt — und warum das den Preis macht
Die Ladestation hängt an der Wand, und die Wand entscheidet mit über die Rechnung. Der Preistreiber ist fast immer derselbe: der Weg vom Verteiler zur Wallbox. Jeder Meter Leitung, jeder Wanddurchbruch, jede Grabung zum freistehenden Carport kostet. Eine Ladestation zwei Meter neben dem Zählerkasten ist ein anderer Auftrag als eine Ladestation am hinteren Ende einer Tiefgarage.
Der zweite Punkt wird regelmässig vergessen: Wo sitzt der Ladeanschluss an Ihrem Auto? Vorne links, vorne rechts oder hinten — die Hersteller machen das unterschiedlich, und beim nächsten Fahrzeug kann es anders sein. Wer die Wallbox so setzt, dass das Kabel nur in einer einzigen Parkposition reicht, ärgert sich später. Stellen Sie das Auto probehalber hin, bevor die Fachperson bohrt.
| Frage vor der Montage | Warum sie zählt |
|---|---|
| Frage vor der MontageWie weit ist der Verteiler entfernt? | Warum sie zähltDer Leitungsweg ist der grösste einzelne Kostenfaktor der Installation. |
| Frage vor der MontageAuf welcher Seite lädt das Auto? | Warum sie zähltBestimmt Wandseite und Kabellänge — und ob rückwärts eingeparkt werden muss. |
| Frage vor der MontageDrinnen oder draussen? | Warum sie zähltAussenmontage verlangt ein dafür zugelassenes Gerät; die Schutzart steht im Datenblatt. |
| Frage vor der MontageWie stark ist der Hausanschluss? | Warum sie zähltEntscheidet, ob 11 Kilowatt möglich sind oder ob es Lastmanagement braucht. |
| Frage vor der MontageKommt ein zweites Auto? | Warum sie zähltEin Leerrohr mitzuverlegen kostet heute wenig und später viel. |
| Frage vor der MontageSoll sie Sonnenüberschuss laden? | Warum sie zähltDann muss sie den Ladestrom regeln können — das kann nicht jedes Gerät. |
Der TCS rechnet ein Beispiel vor, das die Grenzen zeigt: Eine Liegenschaft mit neun Wohnungen und einem Anschluss für 80 Ampere verträgt eine Ladestation mit 11 Kilowatt — oder drei Stationen mit je 3,7 Kilowatt. Wer im Mehrfamilienhaus wohnt, plant deshalb nicht die eigene Wallbox, sondern von Anfang an die Infrastruktur für alle Plätze. Alles andere führt dazu, dass der Zweite keine mehr bekommt.
Was eine Ladestation zuhause kostet
Zahlen der CKW für die Schweiz. Sie gehören nicht in die Solarofferte — die Wallbox ist ein eigener Auftrag, oft an einen anderen Betrieb.
| Posten | Betrag | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| PostenGerät, 11 kW, einfach | Betragab 500 CHF | Was dahinterstecktLädt und sonst nichts. Kein Lastmanagement, keine Überschusssteuerung. |
| PostenGerät, smart oder 22 kW | Betragbis 5000 CHF | Was dahinterstecktSteuerung, Zähler, Phasenumschaltung — das, was Überschussladen erst möglich macht. |
| PostenInstallation Fachperson | Betrag1500 bis 3000 CHF | Was dahinterstecktLeitung, Schutzschalter, Anschlussgesuch und Installationsanzeige. |
| PostenBaumassnahmen | Betrag500 bis 1000 CHF | Was dahinterstecktWanddurchbruch, Grabarbeiten, Befestigung. |
| PostenÜblicher Rahmen gesamt | Betrag2500 bis 5000 CHF | Was dahinterstecktAnschaffung und Installation zusammen, laut CKW. |
Quelle: CKW, Wallbox-Kosten, abgerufen am 31. August 2026. Kostentreiber laut CKW: Wanddurchbrüche, längere Kabelwege, zusätzliche Schutzschalter und — vor allem bei 22 Kilowatt — eine nötige Netzverstärkung. Einzelne Kantone und Gemeinden fördern Ladeinfrastruktur; ob Ihre dazugehört, sagt Ihnen Ihre Gemeinde.
Vier Punkte zur Ladestation zuhause
01Muss ich die Wallbox anmelden?
Ja, jede. Bis elf Kilowatt genügt die Anmeldung beim Netzbetreiber, darüber braucht es vor der Inbetriebnahme dessen ausdrückliche Genehmigung. Rechtsgrundlage sind Elektrizitätsgesetz, Elektrizitätsverordnung, die Niederspannungs-Installationsverordnung und die VSE-Richtlinien.
Das Anschlussgesuch und die Installationsanzeige macht die konzessionierte Fachperson, nicht Sie. Verlangen Sie in der Offerte, dass beides ausdrücklich enthalten ist.
02Elf oder zweiundzwanzig Kilowatt?
Zuhause fast immer elf. Der TCS rechnet: Mit elf Kilowatt ist ein E-Auto in sechs bis acht Stunden voll — das passt in jede Nacht und in jeden Arbeitstag. Zweiundzwanzig bringen nur dann etwas, wenn das Fahrzeug sie überhaupt aufnimmt, und viele können es nicht.
Dafür kosten sie mehr, brauchen die Genehmigung des Werks und unter Umständen eine Netzverstärkung. Für rund 1900 Kilowattstunden im Jahr ist das der falsche Aufwand.
03Kann jede Wallbox mit Sonnenüberschuss laden?
Nein. Es braucht drei Dinge: einen Zähler, der den Überschuss misst, eine Steuerung, die daraus einen Ladestrom macht, und ein Gerät, das diesen Strom überhaupt regeln kann. Ein einfaches Gerät für fünfhundert Franken lädt mit voller Leistung oder gar nicht.
Dazu kommt eine physikalische Untergrenze: Weniger als sechs Ampere je Phase gibt kein Ladevorgang her. Dreiphasig sind das rund 4,1 Kilowatt — so viel Überschuss hat ein normales Dach nicht den ganzen Tag. Geräte mit automatischer Phasenumschaltung gehen auf eine Phase herunter und laden schon ab rund 1,4 Kilowatt weiter. Genau dafür zahlt man den Aufpreis.
04Was gilt in der Mietwohnung oder im Stockwerkeigentum?
Der Parkplatz gehört Ihnen nicht allein, die Steigleitung schon gar nicht. Ohne Zustimmung der Eigentümerschaft beziehungsweise der Versammlung geht nichts. Das ist kein technisches, sondern ein Terminproblem — rechnen Sie mit Monaten.
Der bessere Weg ist meist der gemeinsame: eine Grundinstallation mit Lastmanagement für alle Plätze, dann kann jede Partei zuschalten, wenn sie so weit ist. Wird stattdessen die erste Wallbox einzeln angeschlossen, ist der Anschluss oft ausgereizt, bevor die zweite kommt.
Weiterlesen im Ratgeber
Zuerst das Dach, dann die Ladestation.
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Datenstand 31. August 2026. Quellen: Bundesamt für Statistik — Leistungen im Personenverkehr (48,0 Mrd. Fahrzeugkilometer inländischer Personenwagen 2022) · BFS — Strassenfahrzeuge, Bestand (rund 4,6 Mio. Personenwagen) · BFS über SWI swissinfo.ch — 18,6 kWh je 100 km bei Neuzulassungen, publiziert 03.02.2024 · EnergieSchweiz — Wie lädt die Schweiz?, Befragung von 2003 Personen vom 17.07. bis 18.08.2025 · CKW — gesetzliche Vorgaben für Ladestationen · CKW — Wallbox Kosten · TCS — Elektroauto-Ladestation zuhause installieren, alle abgerufen am 31.08.2026. Die Frankenbeträge der Jahresrechnung sind unsere eigene Rechnung mit angenommenen 25 Rappen Bezugspreis und 6 Rappen Vergütung. Die Untergrenze von sechs Ampere je Phase ist eine Eigenschaft des Ladeverfahrens und in der Fachliteratur zum einphasigen und dreiphasigen Laden beschrieben; wir führen dazu keinen Schweizer Beleg. Wir prüfen diese Seite quartalsweise nach.