Wärmepumpe und Photovoltaik — was zusammenpasst und was nicht
Wärmepumpe und Solaranlage — die Paarung, die im Winter nicht aufgeht.
Beide gelten als das Traumpaar der Energiewende. Beim Warmwasser stimmt das auch. Beim Heizen läuft der grösste Verbrauch dann, wenn das Dach am wenigsten liefert. Wer das vorher weiss, plant anders.
Die Heizung braucht dann Strom, wenn kein Strom vom Dach kommt
Der Schweizer Anlagenbestand liefert 26 Prozent seiner Jahresproduktion im Winterhalbjahr — das rechnet Swissolar vor. Die Heizung verbraucht in denselben Monaten praktisch alles. Damit ist die Sache im Grundsatz entschieden: Eine Wärmepumpe lässt sich mit der eigenen Anlage nicht durchheizen, und wer Ihnen das verspricht, verkauft Ihnen etwas.
Wir sagen hier bewusst nicht, wie viel Prozent des Wärmepumpenstroms im Winter anfällt. Eine belegte Schweizer Zahl dazu haben wir nicht gefunden. Belegt ist die andere Seite — die Produktion —, und die genügt für die Aussage.
Was die Anlage sehr wohl kann: das Warmwasser übernehmen, den Sommer- und Übergangsbetrieb tragen und im Winter einen Teil des Tagesbedarfs decken. EnergieSchweiz beziffert, was die Einbindung der Wärmepumpe an Autarkie bringt: rund fünf Prozentpunkte bei einfachen Systemen, bis rund fünfzehn bei Systemen mit laufender Betriebsoptimierung. Das ist ein realer, aber begrenzter Gewinn — und es ist die ehrliche Grössenordnung.
Quellen: Swissolar, Arbeitspapier Winterstrom vom 09.03.2023 (Winteranteil 26 Prozent des heutigen Bestands, Fassadenanlagen rund 45 Prozent). EnergieSchweiz/BFE, «Wärmepumpen und PV — die clevere Kombination», Prof. Dr. David Zogg, 20.08.2020.
Die eine Zahl, nach der Sie fragen müssen
Die Jahresarbeitszahl sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom werden. Sie hängt fast vollständig an der Vorlauftemperatur Ihrer Heizung.
| Fall | Vorlauf | Luft-Wasser | Sole-Wasser (Erdsonde) |
|---|---|---|---|
| FallNeubau | Vorlauf35 Grad | Luft-Wasser3.7 | Sole-Wasser (Erdsonde)5.7 |
| FallSanierung | Vorlauf45 Grad | Luft-Wasser3.3 | Sole-Wasser (Erdsonde)5.0 |
| FallAltbau | Vorlauf55 Grad | Luft-Wasser2.9 | Sole-Wasser (Erdsonde)4.4 |
Feldmessung an 15 Anlagen 2016 bis 2019, ausgewertet von der Ostschweizer Fachhochschule für EnergieSchweiz und das Bundesamt für Energie. Rechnet man das Trinkwarmwasser mit, sinken die Werte: Luft-Wasser auf 3.5 / 3.1 / 2.8, Sole-Wasser auf 4.9 / 4.6 / 4.3.
Lesen Sie die Tabelle einmal quer: Zwischen Altbau und Neubau liegt bei der Luft-Wasser-Pumpe fast ein ganzer Punkt. Das heisst, dieselbe Heizung braucht im schlecht gedämmten Haus rund ein Viertel mehr Strom — jedes Jahr, dreissig Jahre lang. Deshalb gehört die Frage nach der Vorlauftemperatur vor jede Offerte, und deshalb sind Dämmung und Heizkörperfläche keine Nebensache.
Warmwasser ist der Teil, der wirklich passt
Warmwasser braucht das Haus im Juli genauso wie im Januar. Damit ist es der einzige Wärmebedarf, der mit der Produktion zusammenfällt. Ein Elektroboiler zieht rund tausend Kilowattstunden Strom pro Person und Jahr; ein Wärmepumpenboiler kommt mit bis zu siebzig Prozent weniger aus. Wer beides hat — Anlage auf dem Dach und eine Steuerung, die den Boiler in die Mittagsstunden legt —, verschiebt hier den grössten Anteil ohne ein einziges neues Gerät.
Als Grössenordnung für den Bedarf: Der Bund rechnet mit 40 Normlitern pro Person und Tag im Einfamilienhaus, erwärmt von 10 auf 60 Grad. In modernen Neubauten liegt der Warmwasserbedarf damit in derselben Grössenordnung wie die Raumheizung — ein Punkt, der die meisten überrascht.
| Aufgabe | Passt zur Anlage? | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| AufgabeWarmwasser | Passt zur Anlage?Ja, das ganze Jahr. | Was zu tun istSteuerung, die den Boiler in die Sonnenstunden legt. Meist ohne neues Gerät. |
| AufgabeHeizen im Übergang | Passt zur Anlage?Teilweise, an sonnigen Tagen. | Was zu tun istVorlauf leicht anheben, wenn die Anlage liefert — die Bausubstanz speichert. |
| AufgabeHeizen im Winter | Passt zur Anlage?Kaum. Gegenläufig. | Was zu tun istNichts schönrechnen. Der Winterstrom kommt aus dem Netz. |
| AufgabeKühlen im Sommer | Passt zur Anlage?Ja, sehr gut. | Was zu tun istNur mit Flächenheizung. Bei Erdsonden passiv, sonst aktiv. |
Zum Kühlen: Erdsondenanlagen können passiv kühlen — ohne Kompressor, nur mit Umwälzpumpe und Wärmetauscher; das senkt die Raumtemperatur je nach Gebäude um bis zu drei Grad. Luft-Wasser-Pumpen kühlen aktiv über ein Vierwegventil und brauchen dabei deutlich mehr Strom. Voraussetzung ist in beiden Fällen eine Flächenheizung; mit Radiatoren geht es wegen des Kondensats nicht.
Förderung für die Wärmepumpe — und wo sie wegfällt
Der Bund fördert Wärmepumpen nicht direkt; das Gebäudeprogramm läuft über die Kantone. Die Grundbeiträge für eine Luft-Wasser-Pumpe im Einfamilienhaus unterscheiden sich deutlich.
| Kanton | Was gilt | Zuschlag je Kilowatt | Betrag in Franken |
|---|---|---|---|
| KantonBasel-Stadt | Was giltAusserhalb des Fernwärmegebiets. | Zuschlag je Kilowatt250 CHF | Betrag in Franken8000 |
| KantonBern | Was giltAnlagen bis 15 Kilowatt, pauschal. | Zuschlag je Kilowattkein Zuschlag | Betrag in Franken6000 |
| KantonBasel-Landschaft | Was giltBeim Umbau von fossil auf Wärmepumpe. | Zuschlag je Kilowatt200 CHF | Betrag in Franken5000 |
| KantonAargau | Was giltAnlagen bis 70 Kilowatt. | Zuschlag je Kilowatt60 CHF | Betrag in Franken3000 |
Betrag in Franken im Vergleich
Je länger der Balken, desto grösser der Wert in der Spalte «Betrag in Franken» der Tabelle darüber. Die Balkenlänge zeigt das Verhältnis der Zeilen zueinander, nicht einen absoluten Massstab.
Stände: Aargau Förderprogramm 2026 (Version 01.05.2026), Bern Leitfaden Förderprogramm April 2025, Basel-Stadt Juni 2025, Basel-Landschaft Baselbieter Energiepaket. Für den Kanton Solothurn bestehen die Massnahmen M-05 und M-06, die Beträge sind auf den öffentlichen Seiten nicht ausgewiesen — hier ist die Energiefachstelle zu fragen. Gesuch immer vor Baubeginn.
Ein Punkt, den viele zu spät erfahren: In Gebieten mit kommunaler Energieplanung oder Fernwärmekataster fällt die Förderung ganz oder teilweise weg — im Aargau grundsätzlich, in Basel-Stadt halbiert. Klären Sie das, bevor Sie mit dem Förderbeitrag rechnen.
Vier Punkte zu Wärmepumpe und Anlage
01Kann ich meine Wärmepumpe mit der eigenen Anlage betreiben?
Teilweise, nicht ganz. Der Anlagenbestand liefert 26 Prozent seiner Jahresproduktion im Winterhalbjahr — die Heizung braucht in denselben Monaten fast alles. EnergieSchweiz beziffert den realistischen Gewinn an Autarkie durch die eingebundene Wärmepumpe auf fünf bis fünfzehn Prozentpunkte.
Das ist der Rahmen. Alles darüber ist Verkaufsrechnung.
02Luft-Wasser oder Erdsonde?
Die Erdsonde ist bei jeder Vorlauftemperatur deutlich effizienter — in der Feldmessung 5.0 gegenüber 3.3 in der Sanierung. Sie kostet dafür die Bohrung, braucht eine Bewilligung und ist nicht überall zulässig; in Grundwasserschutzzonen gar nicht.
Die Erdsonde kann zudem passiv kühlen. Das ist der Punkt, der bei der Rechnung meist vergessen geht.
03Darf das Werk meine Wärmepumpe abschalten?
Ja, Sperrzeiten gibt es weiterhin. Die AEW im Aargau unterbricht Wärmepumpen bei kritischer Netzbelastung an Wochentagen höchstens dreimal für je eine Stunde, mit mindestens einer Stunde Freigabe dazwischen. Die Sperrpflicht ist dort Voraussetzung für den günstigeren Tarif.
Für die übrigen Werke gelten eigene Zusatzbestimmungen. Fragen Sie Ihr Werk, bevor Sie die Heizlast auslegen — das Gebäude muss die Sperrzeit überbrücken.
04Lohnt sich ein Wärmepumpenboiler zusätzlich?
Wenn Sie heute einen Elektroboiler haben: fast immer. Der zieht rund tausend Kilowattstunden pro Person und Jahr; der Wärmepumpenboiler bis zu siebzig Prozent weniger. Und er läuft mittags, also genau dann, wenn Ihr Dach liefert.
Wenn Ihre Heizungswärmepumpe das Warmwasser ohnehin macht, brauchen Sie keinen zweiten Apparat — dann geht es nur noch um die Steuerung.
Zuerst wissen, was Ihr Dach liefert.
Postleitzahl eingeben, sieben Fragen beantworten, bis zu drei vergleichbare Angebote erhalten — ohne Kosten, ohne Telefonwerbung.
Datenstand 31. August 2026. Quellen: OST — Feldmessung Wärmepumpen für EnergieSchweiz und BFE (15 Anlagen, 2016 bis 2019) · EnergieSchweiz/BFE — Wärmepumpen und PV, die clevere Kombination, 20.08.2020 · Swissolar — Arbeitspapier Winterstrom, 09.03.2023 · EnergieSchweiz/BFE — Warmwasser-Energieverbrauch im Griff haben, 24.04.2019 · Kanton Aargau — Förderprogramm 2026 · Kanton Bern — Leitfaden Förderprogramm, April 2025 · Kanton Basel-Stadt — Förderbeiträge Wärmepumpen · Baselbieter Energiepaket · AEW — Wärmepumpe und elektrischer Boiler, alle abgerufen am 31.08.2026. Nicht belegt und darum hier nicht behauptet: der Jahresstromverbrauch einer Wärmepumpe in Kilowattstunden und die monatliche Verteilung dieses Verbrauchs — dafür fanden wir keine Schweizer Quelle. Wir prüfen diese Seite quartalsweise nach.