Süden ist optimal — aber nicht die Bedingung
Süden ist optimal. Er ist aber nicht die Bedingung.
Dreissig Grad Abweichung von Süd kosten am Referenzstandort Aarau zwei Prozent Jahresertrag. Zwei Prozent. Wer sein Dach wegen der Ausrichtung nicht belegt, verzichtet auf fast alles, um fast nichts zu vermeiden.
Was Abweichung von Süd tatsächlich kostet
Referenzstandort Aarau, Anlage mit 10 Kilowatt, Neigung 33 Grad. Datengrundlage 1994 bis 2016.
| Ausrichtung | Abweichung | Jahresertrag | Anteil in Prozent |
|---|---|---|---|
| AusrichtungSüd | Abweichung0 Grad | Jahresertrag9227 kWh | Anteil in Prozent100 |
| AusrichtungSüdost oder Südwest, leicht | Abweichung15 Grad | Jahresertrag9197 kWh | Anteil in Prozent99 |
| AusrichtungSüdost oder Südwest | Abweichung30 Grad | Jahresertrag9086 kWh | Anteil in Prozent98 |
Anteil in Prozent im Vergleich
Je länger der Balken, desto grösser der Wert in der Spalte «Anteil in Prozent» der Tabelle darüber. Die Balkenlänge zeigt das Verhältnis der Zeilen zueinander, nicht einen absoluten Massstab.
Dreissig Grad Abweichung kosten zwei Prozent. Das ist weniger, als die Schwankung zwischen zwei Wetterjahren ausmacht. Wer sein leicht gedrehtes Dach für ungeeignet hält, irrt sich um eine Grössenordnung.
Quelle: energieheld.ch, Referenzgrafik mit Datengrundlage 1994 bis 2016, als Datenquellen genannt Electrosuisse und Solargis; Seite ohne Publikationsdatum. Die Tabelle deckt nur Abweichungen bis 30 Grad ab. Eine vollständige Schweizer Matrix mit Ost, West und Nord haben wir nicht gefunden und geben deshalb keine Prozentzahlen dafür an. Als Anhaltspunkte aus derselben Quelle: Nordseite 20 bis 55 Prozent, Fassade knapp zwei Drittel.
Zwei verschiedene Optima — und Sie müssen sich entscheiden
Für den Jahresertrag liegt das Optimum im Mittelland bei 25 bis 40 Grad, rechnerisch bei rund 32,5. Für den Winterertrag nennt der Leitfaden für alpine PV-Kraftwerke von EnergieSchweiz und Swissolar eine Neigung von ungefähr 60 Grad oder steiler. Das sind zwei verschiedene Ziele, und ein Dach kann nur eines davon haben.
Auf dem Schrägdach ist die Frage ohnehin entschieden — das Dach hat die Neigung, die es hat. Relevant wird sie beim Flachdach, an der Fassade und bei Aufständerungen. Und dort lohnt sich der Gedanke: Der Schweizer Anlagenbestand liefert 26 bis 27 Prozent im Winterhalbjahr, Fassadenanlagen 42 bis 45 Prozent. Wer zum Winterstrom beitragen will, baut steil.
| Situation | Empfohlene Neigung | Warum |
|---|---|---|
| SituationSchrägdach | Empfohlene Neigungwas das Dach hergibt | WarumAufständerung auf dem Schrägdach lohnt praktisch nie. |
| SituationFlachdach, Süd | Empfohlene Neigung15 bis 35 Grad | WarumGrössere Reihenabstände nötig, dafür höchster Ertrag je Modul. |
| SituationFlachdach, Ost-West | Empfohlene Neigung7 bis 15 Grad | WarumBessere Flächennutzung, flacheres Tagesprofil. |
| SituationFassade | Empfohlene Neigung90 Grad | WarumRund 550 kWh je Kilowatt, dafür 42 Prozent davon im Winter. |
Zur Ost-West-Anlage auf dem Flachdach: Sie bringt je Modul weniger, aber es passen mehr Module aufs Dach, weil die Reihen enger stehen können. Und das Ertragsprofil ist über den Tag flacher — morgens und abends mehr, mittags weniger. Das passt besser zum Verbrauch eines Haushalts. Eine belegte Schweizer Prozentzahl für diesen Vorteil haben wir allerdings nicht gefunden.
Zwei Schienenlagen übereinander — und wann das nötig ist
Bei der Kreuzschienenmontage werden zwei Lagen Modulschienen im rechten Winkel zueinander montiert: die untere Lage längs auf den Sparren, die obere quer darauf. Die Module liegen dann auf der oberen Lage.
Eingesetzt wird das, wenn der Sparrenabstand nicht zur Modulteilung passt, wenn die Module quer statt längs liegen sollen, bei unebenen Dächern und bei rahmenlosen oder eingelegten Modulen. Der Nebeneffekt ist ein grösserer Abstand zwischen Dach und Modul und damit bessere Hinterlüftung. Der Preis dafür: deutlich mehr Schienenmaterial, mehr Arbeitszeit und mehr Gesamtlast auf dem Dach. Die Zahl der Dachhaken bleibt gleich.
Hier ist Ehrlichkeit angebracht: Wir haben für diesen Begriff keine Schweizer Fachquelle gefunden. Weder Swissolar noch Gebäudehülle Schweiz noch die von uns eingesehenen Schweizer Montagesystem-Hersteller verwenden die Wörter Kreuzschiene, Kreuzverbund oder Kreuzmontage; dort heisst es Verbindungsschienen und Basisprofile. Die Beschreibung oben stammt aus einer deutschen Fachquelle. Und Mehrkosten in Franken oder Prozent konnten wir nirgends belegen.
Was Sie damit anfangen: Wenn ein Betrieb Kreuzmontage anbietet und ein anderer nicht, ist das kein Qualitätsunterschied, sondern eine Antwort auf Ihr Dach. Lassen Sie sich sagen, warum sie nötig ist — Sparrenabstand, Modulausrichtung, Dachunebenheit — und was sie im Angebot kostet. Eine Begründung, die nur «ist besser» lautet, ist keine.
Vier Punkte zu Ausrichtung und Montage
01Was macht Verschattung mit meinem Ertrag?
Mehr, als man denkt: Eine einzige verschattete Zelle kann ein Standardmodul rund dreissig Prozent Leistung kosten — das ist eine deutsche Fachangabe, eine Schweizer Messung dazu haben wir nicht gefunden. Abhilfe schaffen Leistungsoptimierer oder Modulwechselrichter, oder eine kluge Aufteilung der Strings.
Optimierer kosten laut einem Schweizer Anbieter 50 bis 80 Franken je Modul, also 10 bis 15 Prozent Aufpreis auf die Anlage. Realistischer Mehrertrag bei Teilverschattung oder Ost-West-Ausrichtung: 5 bis 15 Prozent. Auf einem unverschatteten Süddach bringen sie kaum etwas.
02Was gilt beim Flachdach für die Ballastierung?
Flachdachanlagen werden in der Regel nicht mit der Tragkonstruktion verbunden, sondern beschwert. Als Branchenrichtwert nennt die CKW 20 bis 25 Kilogramm je Quadratmeter — bei einer 10-Kilowatt-Anlage also 1500 bis 2000 Kilogramm zusätzliche Last.
Diese Last muss das Dach tragen. Die Beurteilung erfolgt objektbezogen nach SIA 260 und 261, mit erhöhten Anforderungen in den Randbereichen. Ein Statiknachweis gehört beim Flachdach in die Offerte.
03Welche Normen gelten für Schnee und Wind?
SIA 261, «Einwirkungen auf Tragwerke». Die Werte sind standortabhängig und objektbezogen zu ermitteln — eine allgemeingültige Zahl für Ihren Kanton gibt es nicht. Dazu kommen die Installationsnormen NIN Teil 7.12, die Modulnormen IEC 61215 und 61730 sowie das VKF-Brandschutzmerkblatt Solaranlagen.
Für den Hagel gibt es fünf Widerstandsklassen HW 1 bis HW 5. In Gebieten mit Körnern über 4 Zentimetern reicht HW 3 nicht mehr.
04Soll ich das ganze Dach belegen?
Meistens ja. Gerüst, Anfahrt, Planung und Anschlussgesuch fallen einmal an. Das zeigt sich in den Preisen: 1561 Franken je Kilowatt bei den kleinsten Dachanlagen gegenüber 1235 bei 30 bis 100 Kilowatt.
Und da eine Abweichung von 30 Grad nur zwei Prozent kostet, gibt es kaum eine Dachfläche, die sich wegen der Ausrichtung nicht lohnt. Ausnahme bleibt die Nordseite und alles, was dauerhaft im Schatten liegt.
Fast jedes Dach geht. Fragen Sie nach, statt es abzuschreiben.
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Datenstand 31. August 2026. Quellen: energieheld.ch — optimale Dachausrichtung (Referenzstandort Aarau, Datengrundlage 1994 bis 2016, Quellen Electrosuisse und Solargis; ohne Publikationsdatum) · EnergieSchweiz/BFE und Swissolar — Leitfaden alpine PV-Kraftwerke, April 2025 · Gebäudehülle Schweiz — Merkblatt Montage auf Flachdächern, Juni 2022 · Swissolar — Normen und Vorschriften · CKW — PV auf Flachdach · ZHAW — Photovoltaik-Potenzial auf Infrastrukturbauten, 20.06.2023 (Winteranteil Fassade 42 Prozent, Dach 27) · Heizungsmacher AG — Leistungsoptimierer, Februar 2026, alle abgerufen am 31.08.2026. Zur Kreuzmontage fanden wir keine Schweizer Fachquelle; die Beschreibung stammt aus einer deutschen Quelle und ist als solche gekennzeichnet. Wir prüfen diese Seite quartalsweise nach.